Der Heilige Geist in uns

Gott als Vater und Gott als Sohn – das ist vielen Christen vertraut. Beim Heiligen Geist sieht es oft anders aus. Wer genau ist die dritte Person der Dreieinigkeit? Ein Christ glaubt an Gott als Vater und allmächtigen Schöpfer. Ebenso zentral ist Jesus Christus, sein Sohn.

Doch gemäß dem Apostolischen Glaubensbekenntnis gehört noch jemand dazu: Gott, der Heilige Geist. Christen glauben an den einen Gott, der sich in drei Personen offenbart – die Dreieinigkeit.

Welche Bedeutung Vater und Sohn für den Menschen haben, ist vielen klar. Die Aufgabe des Heiligen Geistes hingegen ist manchen Christen weniger bewusst. Doch nicht nur der dreieinige Gott wäre ohne den Geist unvollständig – auch sein Heilsplan. Gerade heute ist der Heilige Geist für uns von größter Bedeutung.

Wer oder was ist der Heilige Geist?

Wenn wir eine Person kennenlernen, achten wir zuerst auf das Äußere. Beim Heiligen Geist ist das schwierig, denn ein „Geist“ ist unsichtbar. Dennoch beschreibt die Bibel Situationen, in denen der Heilige Geist sichtbar wurde. So berichtet Matthäus, dass der Geist bei der Taufe Jesu „wie eine Taube“ erschien (Mt 3,16).

Die Bibel zeigt den Heiligen Geist sowohl in sichtbarer als auch in unsichtbarer Wirkungsweise. Mehr über ein „Äußeres“ erfahren wir nicht – und das ist auch nicht entscheidend. Viel wichtiger ist sein Wesen und sein Wirken.

Im Alten Testament steht für „Geist“ das hebräische Wort ruach, im Neuen Testament das griechische Wort pneuma. Beide können mit Hauch, Luft oder Wind übersetzt werden. Diese Begriffe zeigen einen wichtigen Wesenszug: Wie Wind ist der Heilige Geist mal stark, mal sanft, manchmal kaum wahrnehmbar – und doch immer da.

Der Heilige Geist im Alten Testament

Schon in 1. Mose 1,2 wird der Geist Gottes erwähnt – noch vor der Schöpfung. Danach begegnet er uns durch das ganze Alte Testament hindurch.

Oft lesen wir, dass der Geist Menschen erfüllte. Das bedeutete, dass Gott Menschen mit besonderen Gaben ausstattete. Josua wurde zum Beispiel mit dem „Geist der Weisheit“ erfüllt (5. Mose 34,9). Israel stand unter dem Schutz des Geistes Gottes (Jes 63,11). Auch David wurde bei seiner Salbung mit dem Geist erfüllt, um seine Aufgabe als König nach Gottes Willen auszuführen.

Besonders wichtig war der Geist bei der Berufung der Propheten. Sie redeten zu einem Volk, das sich immer wieder von Gott abwandte. So wirkten sie als Mittler zwischen Gott und seinem Volk (2 Sam 23,2; Micha 3,8).

Gleichzeitig kündigten die Propheten den Messias an – den Einen, der in besonderer Weise vom Geist erfüllt sein würde (Jes 11,1–2). Mit Jesus schenkte Gott nicht nur Erneuerung seines Bundes, sondern auch neue Hoffnung und einen neuen Zugang zu Gott für alle Menschen.

Der Heilige Geist im Neuen Testament

Im Neuen Testament verändert sich die Rolle des Heiligen Geistes deutlich. In seiner Abschiedsrede verspricht Jesus den Jüngern den „Paraklet“, den Tröster (Joh 14,26). Damit meinte er den Heiligen Geist.

Offen sichtbar wurde dieses Wirken zu Pfingsten. Der Geist befähigte die Jünger, in vielen Sprachen zu reden. Menschen aus verschiedenen Ländern verstanden die Botschaft des Evangeliums – etwa 3.000 Menschen kamen zum Glauben (Apg 2).

Der Heilige Geist handelt dabei nicht wie eine unpersönliche Kraft. Er forscht (1 Kor 2,10–13), hat einen Willen (1 Kor 12,11), kann betrübt werden (Eph 4,30), spricht (1 Tim 4,1), lehrt (Joh 14,26) und leitet (Apg 8,29; 16,6–7).

Durch den Tod Jesu ist die Trennung zwischen Gott und Mensch aufgehoben. Der zerrissene Tempelvorhang (Mt 27,51) zeigt: Gott selbst hat den Weg zu sich geöffnet.

Seitdem wirkt der Heilige Geist in allen Menschen, die sich Jesus zuwenden – nicht nur in einzelnen Priestern. Gottes Geist wohnt in unseren Herzen. Christen sind Tempel Gottes (1 Kor 3,16).

Der Heilige Geist ist nicht nur ein Vertreter Gottes – er ist Gott selbst. Gott möchte in uns wohnen und persönliche Gemeinschaft mit uns haben, bis Jesus wiederkommt und Gottes neue Schöpfung vollendet wird.

Die Aufgaben des Heiligen Geistes

Das Wesen und Wirken des Geistes haben sich nicht verändert. Neu ist, dass er seit Jesu Himmelfahrt dauerhaft in den Gläubigen wohnen kann. Sein Wirken beginnt aber schon vor unserer Entscheidung für Gott.

Seine Aufgaben für mich persönlich

Der Heilige Geist zeigt mir, dass ich Gott aus eigener Kraft nicht erkennen kann (Joh 14,6). Er überzeugt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht (Joh 16,7–11). Er offenbart Gottes Wesen durch die Bibel und weckt in mir den Wunsch, Gottes Stimme zu hören.

Er heiligt mich. Das bedeutet: Durch Jesus werde ich von Schuld gereinigt. Der Geist beginnt, mein Leben zu verändern. Alte Denkmuster und falsche Gewohnheiten können Schritt für Schritt überwunden werden.

Der Geist unterstützt mich auch im täglichen Leben. Als Christ bin ich nicht plötzlich vollkommen. Doch der Geist hilft mir, Jesus ähnlicher zu werden. Er zeigt mir, was richtig und falsch ist, und gibt mir Kraft, gegen Sünde zu kämpfen (Joh 14,16.26).

Seine Aufgaben für die Gemeinschaft

Christsein bedeutet Gemeinschaft. Jesus ist mitten unter uns, wenn wir uns in seinem Namen versammeln (Mt 18,20).

Paulus beschreibt die Gemeinde als einen Leib (1 Kor 12,13). Jeder Christ hat eine Aufgabe und besondere Gaben. Diese „Geistesgaben“ dienen nicht uns selbst, sondern der Gemeinde und dem Reich Gottes.

Die Geistesgaben

Paulus nennt verschiedene Gaben: Prophetie, Dienst, Lehre, Ermahnung oder Leitung (Röm 12). In anderen Stellen spricht er von Heilung, Zungenrede und Auslegung (1 Kor 12,8–11). Petrus betont besonders Predigt und Dienst (1 Petr 4,9–11).

Diese Gaben sind nicht zur Selbstdarstellung da. Sie sollen der Gemeinde dienen. Gleichzeitig sollen wir sie entwickeln – wie ein Talent, das trainiert werden muss.

Der Heilige Geist verherrlicht dabei nicht sich selbst, sondern Jesus Christus. Je mehr Raum ich dem Heiligen Geist gebe, desto klarer kann ich sein Reden erkennen. Das geschieht vor allem durch die Bibel und durch ein hörendes Herz. Auch unser Gewissen kann ein Weg sein, durch den der Geist spricht. Oft erkennen wir erst im Rückblick, wie Gott uns geführt hat.

Paulus schreibt, dass wir den Geist „dämpfen“ können (1 Thess 5,19). Aber Jesus verspricht, dass der Geist für immer bei den Gläubigen bleibt (Joh 14,16). Gottes Gnade ist größer als unser Versagen. Voraussetzung ist ein bußbereites Herz. Der Heilige Geist nimmt uns die Angst, an Gottes Maßstäben zu scheitern, und hilft uns, Jesus ähnlicher zu werden.

Charles Spurgeon sagte sinngemäß: Schon bevor wir Christen wurden, wirkte Gottes Geist an uns. Ohne dieses Wirken könnte sich niemand bekehren. Gott zieht Menschen mit Seilen der Liebe (Jer 31,3). Oft geschieht das lange vor unserer Bekehrung – verborgen und geheimnisvoll. Wenn wir darüber nachdenken, bleibt uns nur Dankbarkeit und Anbetung. Unsere Rettung ist letztlich Gottes Werk allein.

Der äthiopische Kämmerer ist ein Beispiel dafür. Gott führte ihn nach Jerusalem, ließ ihn die Schrift lesen und sandte Philippus zu ihm. Alles geschah durch das Wirken des Heiligen Geistes. Auch Philippus wurde vom Geist geleitet. So zeigt sich: Der Heilige Geist lenkt sowohl die Suchenden als auch die Diener Gottes.

Billy Graham sagte einmal: Wenn der Heilige Geist heute von der Erde genommen würde, könnten viele kirchliche Aktivitäten äußerlich weitergehen – aber ohne geistliche Kraft.

Wir neigen dazu zu glauben, dass ein gutes Bekehrungskonzept viele Menschen zur Umkehr bewegen kann. Doch Menschen nach vorne zu rufen ist das eine – dass sie wirklich die Wiedergeburt erleben, ist etwas ganz anderes. Wenn nur die Stimme des Evangelisten ruft, aber nicht der Heilige Geist wirkt, kann niemand gerettet werden. Darum erbarme sich Gott über uns alle und erfülle uns neu mit seinem Heiligen Geist!

Helmut Germann
01.02.2026