Was bedeutet Geistesleitung? Was tut der Heilige Geist, um zu leiten? Wie können wir sicher sein, dass Er führt? Und was lehrt die Schrift darüber? Im Leben müssen wir viele Entscheidungen treffen. Viele davon werden in der Bibel nicht konkret behandelt.
Dennoch gilt für uns der klare Auftrag: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut – tut alles zur Ehre Gottes.“ (1Kor 10,31)
Als Christen wollen wir Gott in allem ehren. Doch wie das konkret aussieht, ist manchmal nicht leicht zu erkennen. In solchen Situationen hört man oft den Satz: „Ich wurde vom Heiligen Geist geführt.“ Das klingt zunächst hilfreich – doch ist das nicht sehr subjektiv? Hängt das nicht stark von persönlichen Erfahrungen ab? Darum müssen wir fragen: Was bedeutet es wirklich, vom Heiligen Geist geleitet zu sein? Was tut der Heilige Geist konkret? Wie können wir sicher sein, dass er uns führt? Und was sagt die Bibel dazu?
Der Heilige Geist ist die herrliche dritte Person der Dreieinigkeit.
Er ist Gott – ewig, ohne Ursprung, mit allen Eigenschaften einer Person und allen göttlichen Attributen. Er ist dem Vater und dem Sohn vollkommen gleich. Darum müssen wir ehrfürchtig und biblisch korrekt über sein Wesen und sein Wirken sprechen. Wenn der Heilige Geist uns tatsächlich in unseren täglichen Entscheidungen führt, dann dürfen wir erwarten, dass die Schrift objektive Kriterien nennt, an denen wir das prüfen können.
Woran man erkennt, dass man nicht vom Heiligen Geist geleitet wird
1. Wenn Entscheidungen Gottes Wort widersprechen
Der Heilige Geist ist der Urheber der gesamten Schrift (2Petr 1,20–21).
Was vom Geist Gottes kommt, stimmt immer mit dem überein, was die Apostel durch den Geist gelehrt haben (1Kor 2,12–14).
So wie ein Mensch nicht leben kann, ohne zu atmen und zu essen, kann niemand im Einklang mit dem Heiligen Geist leben und gleichzeitig gegen die Schrift handeln.
2. Wenn man keinen Rat von gottesfürchtigen Christen annehmen will
Der Heilige Geist wirkt im Leib Christi durch unterschiedliche Gaben (1Kor 12,4–7). Kein Christ besitzt allein alle Weisheit.
Wer unbelehrbar ist, zeigt meist Stolz (Spr 12,1; 15,31–33).
Der Heilige Geist überführt von Sünde – er bestätigt niemals Stolz oder Hochmut.
3. Wenn man bewusst in Sünde lebt und unbußfertig bleibt
Der Heilige Geist wirkt Heiligung in uns (2Kor 3,18).
Wer bewusst in Sünde lebt und nicht umkehrt, lebt nicht im Einklang mit dem Geist.
4. Wenn man kein ernsthaftes Bibelstudium betreiben will
Da die Schrift vom Geist gegeben ist, führt er uns immer in Übereinstimmung mit der Bibel. Wer seine Überzeugungen nicht am Wort Gottes prüfen will, steht nicht unter der Leitung des Geistes.
5. Wenn man nur bestätigenden Rat sucht
Sprüche 15,22 zeigt, wie wichtig Rat ist. Aber wer nur Stimmen sucht, die die eigene Meinung bestätigen, folgt sich selbst – nicht dem Geist Gottes.
6. Wenn man sich nur auf Gefühle, Frieden, Träume oder Visionen verlässt
Die Bibel lehrt nicht, solche Dinge als sichere Bestätigung Gottes zu deuten.
Das christliche Leben bedeutet Selbstverleugnung und Kreuz tragen. Richtige Entscheidungen können auch mit innerem Kampf verbunden sein – nicht immer mit Frieden. Gott bestätigt seinen Willen durch die Schrift, durch biblische Prinzipien, durch einen gottgefälligen Lebenswandel und durch den Rat reifer Christen.
Wie führt der Heilige Geist tatsächlich?
Der Ausdruck „vom Geist geleitet“ kommt im Neuen Testament nur zweimal ausdrücklich vor.
Römer 8,14: Der Zusammenhang zeigt: Vom Geist geleitet sein bedeutet, die Sünde zu töten (Röm 8,12–14). Nur durch den Heiligen Geist können wir Sünde überwinden. Er überführt von Sünde (Joh 16,8) und befähigt uns, sie zu überwinden.
Galater 5,18: Auch hier geht es um den Kampf gegen das Fleisch.
Der Geist wirkt in uns, sodass wir nicht mehr dauerhaft im Fleisch leben, sondern Frucht des Geistes hervorbringen: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.
Vom Heiligen Geist geleitet zu werden bedeutet:
- Sünde aktiv zu bekämpfen
- Schmerz über eigene Sünde zu empfinden
- bereit zu sein, sich korrigieren zu lassen
- Verantwortung für eigene Sünde zu übernehmen
- konkrete biblische Schritte zur Veränderung zu gehen
- das eigene Leben der Autorität der Schrift zu unterstellen
Christen sollten vorsichtig und ehrfürchtig sein, wenn sie davon sprechen, dass der Heilige Geist sie führt. Wenn wir uns unsicher sind, ist es besser zu sagen: „Ich habe den Eindruck.“ und dann Rat von geistlich reifen Geschwistern zu suchen und im Gebet um Klarheit zu bitten.
Der Heilige Geist ist heilig. Sein Ziel ist es, uns mehr und mehr in das Bild Jesu Christi zu verwandeln.
Helmut Germann
08.02.2026