Eine Gabe des Heiligen Geistes
„Über die Gaben des Geistes aber will ich euch, liebe Brüder, nicht in Unkenntnis lassen.“ (1. Korinther 12,1) Mit diesen Worten ruft Paulus alle Christen dazu auf, sich intensiv mit den Gaben des Heiligen Geistes zu beschäftigen. Gott möchte nicht, dass eines seiner Kinder in diesem Bereich unwissend bleibt.
Es gibt nur wenige Stellen in der Bibel, an denen Gott ausdrücklich betont: Darauf müsst ihr besonders achten. Sein ganzes Wort ist wichtig. Wenn Er aber etwas besonders hervorhebt, sollten wir doppelt aufmerksam sein. Darum dürfen wir auch darum beten, dass Gott uns diese übernatürlichen Gaben schenkt. Gott möchte, dass wir uns danach ausstrecken.
Bevor Paulus in 1. Korinther 12 über die Geistesgaben spricht, erinnert er die Christen in Korinth an eine geistliche Realität. In 1. Korinther 10,19–20 schreibt er: „Was will ich nun sagen? Dass das Götzenopfer etwas ist? Oder dass der Götze etwas ist? Nein, sondern was man dort opfert, das opfert man den bösen Geistern und nicht Gott. Nun will ich nicht, dass ihr Gemeinschaft mit den bösen Geistern habt.“
Paulus macht deutlich: Wer Götzen anbetet, hat Gemeinschaft mit bösen Geistern – mit Dämonen. Korinth war eine Stadt voller Götzen. Deshalb erinnert Paulus die Gläubigen anschließend daran: „Ihr wisst, als ihr noch Heiden wart, zog es euch mit Macht zu den stummen Götzen. Darum muss ich euch sagen, dass niemand Jesus verflucht, der durch den Geist Gottes redet; und niemand kann Jesus den Herrn nennen außer durch den Heiligen Geist.“ (1. Korinther 12,2–3)
In anderen Briefen warnt Paulus ebenfalls davor, dass Menschen von jedem Wind der Lehre hin und her getrieben werden können. In einem Brief an Timotheus schreibt er sogar, dass manche Menschen verführerischen Geistern und Lehren von Dämonen Gehör schenken.
Verschiedene Gaben – ein Geist
Paulus schreibt weiter:
„Und es gibt verschiedene Gnadengaben; aber es ist ein Geist. Und es gibt verschiedene Dienste; aber es ist ein Herr. Und es gibt verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der alles in allen wirkt. Jedem einzelnen wird die Offenbarung des Geistes gegeben zum Nutzen aller.“ (1. Korinther 12,4–7)
Dann zählt er verschiedene Geistesgaben auf:
„Dem einen wird durch den Geist gegeben, von Weisheit zu reden; dem andern wird gegeben, von der Erkenntnis zu reden, nach demselben Geist; einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen in dem einen Geist; einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern verschiedene Arten von Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist und teilt jedem das Seine zu, wie er will.“ (1. Korinther 12,8–11)
Diese Gaben können wir nicht selbst erzeugen. Sie lassen sich nicht wie ein Lichtschalter ein- und ausschalten. Auch erhält man sie nicht durch Bildung oder Studium. Der Heilige Geist selbst teilt sie aus – so wie er will.
In diesem Beitrag geht es um das Wort der Erkenntnis.
Das Wort der Erkenntnis ist eine übernatürliche Einsicht des Heiligen Geistes in das Denken Gottes. Diese Erkenntnis kann sich auf Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft beziehen und hat häufig mit Menschen zu tun. Gott ist allwissend. Doch er offenbart uns nicht alles, sondern nur das, was wir wissen müssen. Diese Erkenntnis entsteht nicht durch menschliches Nachdenken. Sie ist eine Gabe des Heiligen Geistes. Sie kann durch eine Vision, einen Traum oder durch das innere Reden des Geistes kommen.
Beispiele aus der Bibel
In Matthäus 2,19–20 lesen wir: „Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn im Traum dem Josef in Ägypten und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und kehre zurück ins Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben.“ Josef erhielt diese Information durch einen Traum.
In Apostelgeschichte 9,10–12 lesen wir: „Und es gab einen Jünger in Damaskus mit Namen Hananias; dem erschien der Herr und sprach: Hananias! Er antwortete: Hier bin ich, Herr. Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh in die Gerade Straße und frage in dem Hause des Judas nach dem Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet.“
Hananias war kein Apostel, kein Prophet, kein Lehrer und kein Evangelist. Er war ein einfacher Jünger, der Jesus von ganzem Herzen nachfolgte. Doch der Heilige Geist zeigte ihm auf übernatürliche Weise die Straße, das Haus, den Namen des Besitzers und sogar, was Saulus gerade tat.
Saulus war auf dem Weg nach Damaskus Jesus begegnet und hatte dabei sein Augenlicht verloren. Später wurde er als Apostel Paulus bekannt.
Auch Petrus erlebte eine solche übernatürliche Erkenntnis. In Apostelgeschichte 10,19–20 lesen wir:
„Während aber Petrus über die Erscheinung nachsann, sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich. So steh auf, steig hinab und geh mit ihnen und zweifle nicht, denn ich habe sie gesandt.“
Genau in diesem Moment standen drei Männer vor dem Tor. Sie waren von Kornelius, einem römischen Hauptmann, geschickt worden. Woher wusste Petrus, dass sie da waren? Der Heilige Geist hatte es ihm gesagt. Warum zeigt Gott solche Dinge durch das Wort der Erkenntnis? Um Jesus zu verherrlichen und Menschen zu ihm zu führen.
In Apostelgeschichte 16,9–10 lesen wir, dass Paulus in einer nächtlichen Erscheinung einen Mann aus Mazedonien sah, der ihn bat: „Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!“ Daraufhin erkannten sie, dass Gott sie dorthin berufen hatte, um den Menschen das Evangelium zu predigen.
In 1. Korinther 12 heißt es: Wer durch den Geist Gottes redet, wird immer Jesus als Herrn bekennen. Auch Jesus selbst sagte über den Heiligen Geist: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst reden; sondern was er hören wird, wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen.“ (Johannes 16,13–14)
Der Heilige Geist wird immer Jesus verherrlichen. Jesus selbst wirkte im Wort der Erkenntnis. Auch im Leben Jesu sehen wir diese Gabe. Als Jesus Nathanael begegnete, sagte er: „Siehe, ein rechter Israelit, in dem keine Falschheit ist.“ Nathanael fragte: „Woher kennst du mich?“ Jesus antwortete: „Bevor Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.“ (Johannes 1,47–49) Darauf bekannte Nathanael: „Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel.“
Ein weiteres Beispiel ist die Begegnung Jesu mit der samaritanischen Frau am Brunnen (Johannes 4). Jesus sagte zu ihr: „Du hast fünf Männer gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.“ Jesus wusste dies durch den Heiligen Geist. Dieses Wort der Erkenntnis führte dazu, dass die Frau glaubte und in die Stadt lief, um allen davon zu erzählen. Viele Menschen kamen daraufhin zu Jesus und erkannten ihn als Messias.
Erkenntnis zur Ermutigung
Diese Gabe kann auch dazu dienen, Menschen zu ermutigen. Als der Prophet Elia verzweifelt war, sagte Gott zu ihm: Es sind noch 7.000 Menschen in Israel, die ihre Knie nicht vor Baal gebeugt haben (1. Könige 19). Diese Erkenntnis stärkte Elia so sehr, dass er aufstand und seinen Dienst fortsetzte. Danach erlebte er einige der fruchtbarsten Jahre seines Lebens. Alles durch ein Wort der Erkenntnis.
Wie funktioniert das mit den Geistesgaben?
Die erste Voraussetzung ist Lehre. Deshalb beginnt Paulus mit den Worten:
„Ich will nicht, dass ihr unwissend seid.“ Viele Christen wissen wenig über die Gaben des Heiligen Geistes. Sie haben sich nie damit beschäftigt, nie darüber nachgedacht und nie in der Bibel danach geforscht. Doch man kann nichts anwenden, von dem man nicht einmal weiß, dass es existiert.
Die zweite Voraussetzung ist Verlangen. In 1. Korinther 12,31 steht: „Strebt aber nach den größeren Gaben.“ Was ist eine größere Gabe? Die Gabe, die gerade in einer bestimmten Situation gebraucht wird. Wenn jemand krank ist, braucht man nicht in erster Linie prophetische Rede, sondern die Gabe der Heilung.
Paulus zeigt dann einen noch besseren Weg – die Liebe. Das gesamte 13. Kapitel des ersten Korintherbriefs spricht davon. Die Kapitel 12, 13 und 14 handeln alle von den Geistesgaben. Kaum ein anderes Thema der Bibel wird so ausführlich behandelt. Darum schreibt Paulus: „Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet.“ (1. Korinther 14,1)
Und weiter: „Da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr sie im Überfluss habt und so die Gemeinde erbaut.“ (1. Korinther 14,12) Schließlich sagt er: „Deshalb, liebe Brüder, bemüht euch um die Gabe der Prophetie und verbietet das Reden in anderen Sprachen nicht.“ (1. Korinther 14,39)
Achte auf die Formulierungen: Strebt nach den größeren Gaben! Strebt nach den Geistesgaben! Seid auf geistliche Gaben bedacht! Bemüht euch um die Gaben! Wenn wir uns nach den Geistesgaben ausstrecken, wenn wir das Verlangen danach haben und dafür beten, dann wirkt der Heilige Geist in uns zum Nutzen der Gemeinde.
Helmut Germann
08.03.26