„Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid.
Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ (Phil. 2, 1–8)
Paulus erlebte Unterstützung, als er als Gefangener in Rom war und diesen Brief an die Philipper schrieb. Er wusste, dass sie in Einheit hinter ihm standen, und sie sandten ihm Epaphroditus. In allen vier Kapiteln des Philipperbriefes geht es um das Thema Einheit.
Paulus zeigt, dass die Grundlage für Einheit in der Gemeinde in der Ermutigung in Christus, im Trost der Liebe, in der Gemeinschaft des Geistes sowie in Herzlichkeit und Barmherzigkeit liegt. Es geht um ein Herz und eine Seele. In der Elberfelder Übersetzung wird anstelle von „Ermahnung“ auch „Ermutigung“ verwendet. Dazu gehören gegenseitige Unterstützung, Hilfe in Not, das Teilen von Erfahrungen sowie das Geben von Rat und Ermutigung. Jesus selbst befähigt uns dazu. So wie er uns tröstet und uns nicht im Stich lässt, sollen auch wir als Gemeinde zusammenstehen und in Einheit leben.
Die Herzlichkeit und das Erbarmen, die wir von Gott empfangen haben, als wir noch in unserer sündigen Natur gefangen waren, sollen die Gemeinde prägen. Das geschieht in der Gemeinschaft des Geistes mit allen, die sich entschieden haben, mit Jesus zu gehen – mit ihm, der in uns wohnt. Eine solche Einheit wirst du nirgendwo anders erleben als in der Gemeinde. Echte Einheit hat ihre Grundlage im Heiligen Geist, der von Jesus gesandt wurde. Sie ist in keinem Verein, keiner Gruppe – etwa einer Gesangs- oder Tanzgruppe – und auch in keiner Religion zu finden. Die Einheit des Geistes finden wir allein in Jesus.
Diese Einheit macht es möglich, dass wir uns in Liebe und Herzlichkeit gegenseitig helfen. Ist das die Grundlage, entsteht echte Einheit in der Gemeinde. Sie zeigt sich darin, dass wir eines Sinnes sind, die gleiche Liebe haben und einmütig auf das eine ausgerichtet sind. Paulus hatte eine enge Beziehung zu den Philippern und schreibt: „Macht meine Freude vollkommen, indem ihr eines Sinnes seid.“ In Kapitel 4,2 nennt er sogar Personen namentlich, die er ermahnt, und hebt mit Timotheus und Epaphroditus Vorbilder in der Gesinnung Christi hervor.
Eines Sinnes zu sein bedeutet nicht, dass wir in allen Lebensfragen dieselbe Meinung haben. Es bedeutet vielmehr, dass Jesus im Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns steht. „Gleiche Liebe haben“ – diese Liebe hat Paulus selbst als Gefangener in Rom erfahren. Sie soll auch unser Miteinander prägen. Wie leicht fällt es dir, deinen Bruder und deine Schwester zu lieben – so, wie Jesus uns geliebt hat? Wie kannst du sagen: „Ich liebe Jesus“, wenn du deinen Bruder oder deine Schwester nicht liebst? Jesus sagt in Johannes 13,34–35: „…dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe.“
Wenn wir alle auf das bedacht sind, was die Einheit fördert, verlieren wir uns nicht in Nebensächlichkeiten. Ein Orchester wird nicht dadurch eins, dass jeder Musiker sich selbst in den Vordergrund stellt oder spielt, wie er es für richtig hält. Das würde zu Chaos führen, nicht zu einer harmonischen Melodie. Ein Orchester wird dann eins, wenn alle auf den Dirigenten schauen, im gleichen Takt spielen und sich seiner Führung unterordnen. So entsteht Harmonie. Genauso entsteht Einheit in der Gemeinde durch die Ausrichtung auf Christus.
Eine Gemeinde ist dann eins, wenn Christus und das Evangelium im Mittelpunkt stehen – im Gottesdienst, in der Predigt, im Lobpreis sowie in der Bibel- und Gebetsstunde. Er ist das Haupt, wir sind seine Glieder.
Wenn du dich in Streitigkeiten befindest, frage dich: Was würde Jesus tun? Was sagt das Wort Gottes darüber, wie ich handeln soll? Ist meine Blickrichtung richtig – oder rede und handle ich aus meinen Emotionen heraus?
Paulus ermahnt: „Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz.“ Selbstsucht richtet den Blick auf das eigene Wohl, statt auf das, was dem Nächsten dient.
„Denn wo Neid und Selbstsucht herrschen, da herrscht auch Unordnung und lauter Bosheit.“ (Jak. 3,16)
Wo Unordnung ist, kann keine Einheit bestehen – sie zerbricht. Selbstsucht ist der Feind der Einheit und steht im Widerspruch zur Gesinnung Jesu. Darum schreibt Paulus:
„Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.“ (Phil. 2, 3–4)
Demut bedeutet, den Mut zum Dienen zu haben, anderen zu helfen und ihre Bedürfnisse höher zu achten als die eigenen. Wenn sich alles nur um mich dreht, folge ich dem Zeitgeist dieser Welt: „Hauptsache, mir geht es gut.“ Doch Demut bedeutet nicht, die eigenen Interessen völlig aufzugeben, sondern auch den anderen im Blick zu haben.
„Der Lohn der Demut und der Furcht des Herrn ist Reichtum, Ehre und Leben.“ (Spr. 22,4)
Diese Haltung ist Frucht des Heiligen Geistes. Wenn wir Jesus vor Augen haben, unsere Geschwister im Blick behalten und die Liebe im Herzen tragen, entsteht Einheit in Christus – und der Heilige Geist kann wirken.
In den Versen 5–11 begründet Paulus die Notwendigkeit der Einheit mit der Gesinnung Jesu Christi: Er war von Anfang an Gott – herrlich, mächtig und würdig – und doch hielt er nicht daran fest. Stattdessen wurde er Mensch, nahm Knechtsgestalt an und kam als Diener zu uns. In seiner Demut und seinem Gehorsam ist er unser vollkommenes Vorbild.
Bist du auf Jesus Christus ausgerichtet? Willst du nach seinem Vorbild leben?
„Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil. 2, 8–11)
Helmut Germann
22.03.2026