Aufruf zur Freude

Die Freude ist immer wieder bedroht – durch Leidenszeiten, die auch wir als Kinder Gottes erleben, durch fehlende Einheit in der Gemeinde, durch mangelnde Heilsgewissheit, durch fehlende Heiligung oder dadurch, dass wir nicht mehr allein auf Jesus vertrauen.

„Weiter, meine Brüder und Schwestern: Freut euch in dem Herrn! Dass ich euch immer dasselbe schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch umso gewisser. Nehmt euch in Acht vor den Hunden, nehmt euch in Acht vor den böswilligen Arbeitern, nehmt euch in Acht vor der Zerschneidung! Denn wir sind die Beschneidung, die wir im Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu rühmen und uns nicht verlassen auf Fleisch …“ (Phil. 3,1–11)

Paulus erkennt, wie sehr die Gemeinde durch falsche Lehren bedroht ist. Deshalb ruft er die Gläubigen dazu auf, ihr Vertrauen allein auf Jesus zu setzen und sich nur in Ihm zu rühmen. Es gibt nichts Größeres, als Ihn zu kennen. Mit ganzer Leidenschaft bekennt Paulus: Jesus ist alles, worauf er vertraut. Jesus zu kennen ist alles, was zählt, und mit Ihm verbunden zu sein ist alles, was er will.

In den Versen 1–6 lesen wir von dem umkämpften Vertrauen, in den Versen 7–8 vom veränderten Paulus und in den Versen 9–11 von seiner Sehnsucht, die über dieses Leben hinausgeht. Paulus sieht die Gefahr, dass Menschen ihr Vertrauen nicht mehr allein auf Jesus setzen, sondern auf sich selbst, auf ihre Religiosität und ihren frommen Lebensstil. Deshalb schreibt er: „Dass ich euch immer dasselbe schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch umso gewisser. Nehmt euch in Acht vor den Irrlehrern.“ Er nennt sie sogar „Hunde“.

Lehrer, die behaupteten, die Einhaltung jüdischer Gesetze – einschließlich der Beschneidung – sei zusätzlich zum Glauben an Jesus notwendig, um vor Gott gerecht zu sein, bezeichnet Paulus als falsche Prediger. Diese Irrlehrer wollten die Gemeinde an sich binden, damit sie sich nicht allein der Gerechtigkeit Jesu rühmt, sondern der eigenen. Darum spricht Paulus in Vers 3 von einer klaren Unterscheidung: Menschen, die wirklich zu Gott gehören, vertrauen nicht auf ihre eigene Kraft, sondern auf den Heiligen Geist. Es sind Männer und Frauen, die aufgehört haben, auf sich selbst zu bauen, und gelernt haben, allein auf Jesus zu vertrauen.

Wir schauen nicht mehr auf uns selbst, sondern auf Jesus, der uns durch den Glauben gerecht gemacht hat.

Doch Paulus bleibt nicht bei dieser Gegenüberstellung stehen. Er nimmt sich selbst als Beispiel. In Vers 4 sagt er: „Wenn irgendjemand meint, er könne auf das Fleisch vertrauen, dann ich noch viel mehr.“ Und tatsächlich zählt er in den folgenden Versen Dinge auf, die menschlich gesehen allen Grund zum Stolz gegeben hätten. Diese Warnung gilt auch uns. Wir leben in einer Zeit großer Verführung. Alternative Evangelien und unbiblische Denkweisen können sich unbemerkt in unseren Herzen festsetzen. Doch wir können uns Gottes Gnade niemals durch Anstrengung oder Frömmigkeit verdienen. Religiöser Eifer rettet uns nicht. Auch die Anerkennung anderer Menschen kann uns nicht gerecht machen.

In den Versen 7–8 schreibt Paulus: „Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn …“ Hier sehen wir den radikalen Wandel in seinem Herzen. Was ihm früher wichtig erschien, wurde bedeutungslos, als Jesus in sein Leben trat. Alles verlor seinen Wert im Vergleich zu Christus. Ihn zu kennen ist alles, was zählt Er ist die Gerechtigkeit, mit der ich bekleidet bin. Er ist die Herrlichkeit, die mich rein vor Gott stehen lässt.  Er ist die Erlösung, die mir Frieden mit Gott schenkt.

Paulus’ Worte fordern uns heraus. Sein Herz wurde völlig verändert. Jesus wurde sein größter Gewinn, seine tiefste Freude. Er erkannte: In Jesus wohnt die ganze Fülle Gottes. Paulus stellt nicht sich selbst in den Mittelpunkt, sondern Jesus. Ist Jesus in unserem Denken und Herzen groß genug, um alles andere zu überstrahlen? Er allein füllt unseren Mangel aus. Wenn ich nur Jesus habe, dann habe ich alles.

In den Versen 9–10 lesen wir von Rechtfertigung, Heiligung und Verherrlichung. Durch die Heiligung werden wir Jesus immer ähnlicher und wachsen tiefer in die Gemeinschaft mit Ihm hinein. Die Verherrlichung bei der Auferstehung ist unsere Hoffnung, denn dann werden wir für immer sichtbar mit Jesus vereint sein. Was Paulus hier beschreibt, gilt nicht nur für ihn. Es ist auch Gottes Ziel für unser Leben: seinen Sohn zu erkennen und Ihm immer ähnlicher zu werden. Deshalb sollen wir immer wieder seine Gegenwart suchen und alles ablegen, was sich zwischen uns und unseren Herrn stellt, damit wir von Herrlichkeit zu Herrlichkeit verändert werden.

Doch es besteht die Gefahr geistlicher Selbstzufriedenheit. In Jesus sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Seine Größe, seine Liebe und seine Heiligkeit werden wir niemals völlig erfassen. Aber wir sollten uns niemals damit zufriedengeben, Jesus nur oberflächlich zu kennen. In dem Leben, das Gott dir und mir geschenkt hat – ob kurz oder lang –, gibt es nichts Wichtigeres, als Jesus zu kennen. „Meine Seele dürstet nach dir, denn deine Gnade ist besser als Leben.“ 

Wir sind noch nicht am Ziel (Phil. 3,12–21)

„Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin …“

„… weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.“ Kannst du das auch von dir sagen? Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als du Jesus als deinen Herrn angenommen hast? Das war die erste Liebe.

Paulus hatte eine tiefe Sehnsucht, Jesus noch mehr zu erkennen und seine Herrlichkeit zu sehen. Vielen Christen fehlt diese Sehnsucht, weil sie mit dem zufrieden sind, was sie bereits haben. Wer Jesus nur oberflächlich kennt, denkt oft, es genüge, Ihn einmal angenommen zu haben. Bei Paulus war es anders. Er hatte Jesus erlebt – und das veränderte sein ganzes Leben. Wer Jesus wirklich begegnet ist, lebt nicht mehr wie zuvor. Deshalb wollte Paulus immer mehr von Jesus. Und genau diese Sehnsucht sollte auch in uns brennen.

Du kannst heute die Entscheidung treffen, Jesus näher kennenzulernen und mehr von Ihm zu wollen. Paulus richtet sein ganzes Leben auf dieses Ziel aus. Doch er möchte nicht allein ans Ziel kommen. Er will so viele Menschen wie möglich mitnehmen auf dem Weg zur Herrlichkeit bei Jesus. Deshalb predigt er das Evangelium. Deshalb lebt er dafür, Jesus zu verherrlichen. Seine Freude besteht darin zu zeigen: Jesus ist mein Leben.

In den Versen 15–17 schreibt Paulus: „Wie viele nun von uns vollkommen sind, die lasst uns so gesinnt sein … Ahmt mit mir Christus nach, Brüder und Schwestern …“ Paulus ruft die Philipper dazu auf, dieselbe Gesinnung zu haben wie er und konsequent mit Jesus zu leben. Auch wir sollen unser Leben bewusst auf Jesus ausrichten. Wir erkennen nicht alles sofort. Doch das, was Gott uns bereits gezeigt hat, danach sollen wir leben. Erkenntnis darf nicht nur unseren Verstand erreichen – sie soll unser Leben verändern.

Paulus war konsequent im Tun des Wortes Gottes. Er lebte, was er predigte. Darin ist er uns ein Vorbild. Bist du ein Vorbild für andere? Wir sollen den Herrn mit Worten und mit unserem Leben bezeugen. In den Versen 18–19 spricht Paulus von schlechten Vorbildern – von Menschen, die Feinde des Kreuzes Christi sind. Sie suchen ihre eigene Ehre und sind auf das Irdische ausgerichtet. Ihr Ende ist die Verdammnis.

Solche Menschen gibt es heute mehr denn je. Die Welt lehnt Christus ab – und damit auch diejenigen, die Ihm nachfolgen. Selbst in manchen Gemeinden und Kirchen steht Jesus nicht mehr im Mittelpunkt. Das Evangelium wird nicht mehr klar verkündigt. Wo Christus nicht mehr im Zentrum steht, verliert die Gemeinde ihre Ausrichtung. Doch wir sollen unseren Blick auf Jesus richten und uns nach Seiner Herrlichkeit ausstrecken. Die irdische Gesinnung darf keinen Raum in unserem Herzen gewinnen.

Unsere Heimat ist der Himmel. Durch Gottes Gnade sind wir schon jetzt Bürger des Himmels. Unser König ist der König aller Könige und Herr aller Herren. Ihm ist alle Macht gegeben im Himmel, auf der Erde und unter der Erde. Auch deine Lebensumstände liegen in seiner Hand. Er ist der gute Hirte. In seiner großen Liebe hat Er dir den Heiligen Geist gegeben, der in dir lebt, dich von Sünde überführt und dich tiefer in die Erkenntnis der geistlichen Schätze Gottes hineinführt.

Helmut Germann
03.05.2026