Einmal errettet - für immer?

Der Hebräerbrief spricht von Jesus als dem Hohepriester und verweist dabei auf Mose, Melchisedek, Abraham und die Glaubenshelden des Alten Testaments.

In Hebräer 5,12–14 lesen wir: „Und die ihr längst Lehrer sein solltet, bedürft wiederum, dass man euch die Anfangsgründe der göttlichen Worte lehre, und dass man euch Milch gebe und nicht feste Speise.

Denn jeder, dem man Milch geben muss, der ist unerfahren in dem Wort der Gerechtigkeit; denn er ist ein kleines Kind. Die feste Speise aber ist für die Vollkommenen, die durch Gewöhnung geübte Sinne haben, zu unterscheiden Gutes und Böses.“

Wir beginnen deshalb nicht bei den Grundlagen des Glaubens, da ich davon ausgehe, dass die meisten von uns zum Glauben gekommen sind und sich im Wort Gottes bewegen beziehungsweise es zumindest kennen.

Dazu gehört das persönliche Zeugnis der Bekehrung und Wiedergeburt, die Erfüllung mit dem Heiligen Geist, der Empfang der Sprachenrede sowie die Buße über ein sündiges Leben.

Die erste Priorität eines Christen ist es, Gott nachzufolgen und seinen Willen zu tun.

Im Folgenden wollen wir fünf weit verbreitete Aussagen anhand der Heiligen Schrift prüfen. Gelten sie uneingeschränkt oder müssen sie am Wort Gottes neu hinterfragt werden?

1. Einmal errettet – immer errettet?

Kann eine errettete Person vom Glauben abfallen?

Galater 5,4:
„Ihr seid losgetrennt von Christus, die ihr durchs Gesetz gerecht werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.“

Hebräer 3,12:
„Sehet zu, ihr Brüder, dass nicht jemand von euch ein böses, ungläubiges Herz habe, im Abfall begriffen von dem lebendigen Gott.“

  1. Petrus 2,20–22:
    „Denn wenn sie durch die Erkenntnis des Herrn und Retters Jesus Christus den Befleckungen der Welt entflohen sind, aber wieder darin verstrickt werden und unterliegen, so wird es mit ihnen zuletzt ärger als zuerst ...“

Die Errettung muss in Christus gegründet sein und im Glauben beständig gelebt werden.

2. Einmal in der Gnade – immer in der Gnade?

Kann ein Mensch aus der Gnade fallen?

Galater 5,4 gilt auch hier.

Titus 2,11–12:
„Denn es ist erschienen die Gnade Gottes, heilsam allen Menschen; sie nimmt uns in Zucht, damit wir unter Verleugnung des ungöttlichen Wesens und der weltlichen Lüste vernünftig und gerecht und gottselig leben in der jetzigen Weltzeit.“

Judas 4:
„Es haben sich nämlich etliche Menschen eingeschlichen ... welche die Gnade unseres Gottes in Ausgelassenheit verkehren und den einzigen Herrscher und Herrn, Jesus Christus, verleugnen.“

Gnade errettet, aber Gnade ist keine Entschuldigung für Rebellion oder Ungehorsam.

3. Einmal versiegelt – immer versiegelt?

Bedeutet die Versiegelung mit dem Heiligen Geist, dass ein Christ sie niemals verlieren kann?

Epheser 1,13:
„... als ihr glaubtet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung.“

Epheser 4,30:
„Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit welchem ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung.“

Hebräer 10,26–29:
„Denn wenn wir freiwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt für Sünden kein Opfer mehr übrig ...“

Das Siegel des Heiligen Geistes ist keine Erlaubnis, in Unglauben oder Sünde zu leben.

4. Einmal ein Kind Gottes – immer ein Kind Gottes?

Kann ein Kind Gottes untreu werden?

Lukas 15,24:
„Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist wiedergefunden worden.“

Johannes 15,6:
„Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er weggeworfen wie die Rebe und verdorrt.“

Römer 8,13:
„Denn wenn ihr nach dem Fleische lebt, so müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Geschäfte des Leibes tötet, so werdet ihr leben.“

Kindschaft zeigt sich in einem treuen Leben des Gehorsams gegenüber Gott.

5. Einmal erwählt – immer erwählt?

Können Auserwählte fallen?

  1. Petrus 1,10:
    „Darum, meine Brüder, befleißigt euch desto mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen.“

Kolosser 1,22–23:
„... um euch heilig und tadellos und unverklagbar darzustellen vor seinem Angesicht, wenn ihr nämlich im Glauben gegründet und fest bleibt ...“

Offenbarung 3,5:
„Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden; und ich will seinen Namen nicht tilgen aus dem Buch des Lebens.“

Die Erwählung ist denen verheißen, die im Glauben bleiben und Christus treu nachfolgen.

Treue bis zum Ende

Die Bibel lehrt uns keine leichtfertige Sicherheit. Sie ruft uns vielmehr zu einem glaubensvollen Ausharren auf – an Christus festzuhalten, geistlich zu wachsen und ihm treu nachzufolgen.

Offenbarung 2,10–11:

„Fürchte nichts, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet Trübsal haben zehn Tage lang. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!

Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tod!“

Der Aufruf der Schrift lautet nicht, sich auf vergangene Erfahrungen zu verlassen, sondern heute im Glauben zu leben, Christus treu zu bleiben und bis zum Ende zu überwinden.

Ursula Herzog-Germann
31.05.2026