Menschen, die Christen geworden sind und Jesus nachfolgen, haben in Gottes Plan eine wichtige Aufgabe: Sie sollen selbst zu Zeugen für den Auferstandenen werden und anderen von Jesus erzählen. So hatte es Jesus seinen Jüngern vor seiner Himmelfahrt gesagt:
„Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jünger alle Völker: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alles zu halten, was ich euch befohlen habe.“ (Matthäus 28,18–20)
Aus der Apostelgeschichte wissen wir, dass die Jünger genau das taten. Sie luden Menschen zu Jesus ein, verkündeten ihnen das Evangelium und ließen sich auch von Bedrohungen und Verfolgung nicht davon abbringen. Im Gegenteil, sie sagten: „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ (Apostelgeschichte 4,20)
Wir können es nicht lassen. Warum? Weil es uns erfüllt, über unseren Glauben zu sprechen und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Aber „wir können es nicht lassen“ bedeutet noch mehr: Wir können es nicht lassen, weil Gott selbst nicht darauf verzichten möchte. Er will unser Zeugnis gebrauchen. Er ehrt uns dadurch, dass wir seine Mitarbeiter sein dürfen, die er für seinen Dienst gebrauchen will. Und schließlich können wir es nicht lassen, weil wir Gott gehorsam sein wollen, wenn er uns zum Zeugendienst beauftragt. Da schulden wir ihm Gehorsam – und den Menschen, dass wir ihnen das Evangelium tatsächlich sagen.
Paulus beschreibt das im Römerbrief mit den Worten, dass wir „Schuldner“ der Menschen sind (Römer 8,12). Damit meint er nicht, dass wir an ihnen schuldig geworden wären oder ihnen etwas schuldig geblieben sind. Nein, Paulus meint: Uns wurde etwas anvertraut – das Evangelium. Es gilt uns. Aber es nur für uns allein behalten zu wollen, wäre ziemlich egoistisch. Schließlich haben nicht nur wir einen Anspruch darauf. Jeder Mensch hat das Recht zu hören, dass Gott ihn liebt und bereit war, sein Leben auch für ihn zu opfern. Auch deshalb können wir es nicht lassen, von unserem Glauben zu reden. Und doch lassen wir es viel zu oft. Wir werden gefragt, aber es fällt uns schwer, eine Antwort zu geben. Dann denken wir: Bevor ich etwas Falsches sage, sage ich lieber gar nichts. Wir wollen nicht unangenehm oder aufdringlich sein.
Aber habe den Mut und frage einfach: „Darf ich für dich beten?“ Dabei kann es geschehen, dass der Geist Gottes dir eine Erkenntnis über die Person gibt, die du eigentlich gar nicht wissen kannst. Du sprichst sie darauf an, und sie erkennt: Das konnte nur Gott sein. Dann kannst du ihr kurz das Evangelium von Jesus erklären. Der Heilige Geist kann ihr Herz vorbereiten, sodass sie Jesus annimmt. Wenn wir Jesus nachfolgen und Christen geworden sind, dann haben wir auch den Mut, von unserem Glauben an Jesus zu reden. Schließlich haben wir den Heiligen Geist in uns. Er lebt in uns und hat Wohnung genommen und ist doch der Ermutiger an unserer Seite. Er steht uns bei, lässt uns niemals allein und hilft uns, Grenzen zu überwinden. Er führt uns über unsere eigenen Möglichkeiten hinaus. Er ist auch derjenige, der unsere menschlichen Worte gebrauchen und sie in die Herzen der Menschen hineintragen kann, sodass sie sich angesprochen fühlen.
An Mut muss es denen, durch die der Heilige Geist wirkt, eigentlich niemals mangeln. Vielleicht liegt es also an etwas anderem. Vielleicht liegt es daran, dass wir etwas aus den Augen verloren haben. Ich rede gerne von meinem Glauben. Nicht aus Pflicht. Nicht, um einfach einen Haken hinter die Sache machen zu können. Sondern gerne. Denn gerne tun wir nur das, was uns selbst Freude macht. Wenn der Glaube uns Freude macht, reden wir gerne über ihn. Wenn wir uns an Jesus freuen, werden wir auch gerne von ihm erzählen. Wenn wir aber die Freude an Jesus verloren haben, werden wir auch nicht gerne über ihn reden.
Wenn das Evangelium für uns tatsächlich Frohe Botschaft ist, dann werden wir es gerne weitersagen. Wenn es für uns am Ende aber nur noch eine Drohbotschaft ist, dann werden wir es sehr wahrscheinlich auch verschweigen. Darum stellt sich die Frage:
Wie kann die Freude an Jesus und am Evangelium erneuert oder neu geweckt werden, sodass wir wieder gerne über unseren Glauben an ihn reden?
Wie kann Gott uns helfen, neue Freude an Jesus zu gewinnen und im Evangelium die Freudenbotschaft des lebendigen Gottes neu zu entdecken – eine Botschaft, die wir gerne anderen weitersagen?
Der Hofbeamte der Königin von Äthiopien war auf der Heimreise aus Jerusalem. Seiner gehobenen Stellung entsprechend reiste er nicht zu Fuß, sondern auf einem Wagen. Dort las er in der Schrift, genauer gesagt im Propheten Jesaja. Dass er auf einem kaum gefederten Fahrzeug und bei den damaligen Straßenverhältnissen in der Schrift las, zeugt von einer tiefen Sehnsucht nach Gott. Wir wissen auch, dass diese Sehnsucht nach Gott der Grund für seine Reise nach Jerusalem war. Dort im Tempel war er gewesen, um Gott anzubeten. Nur: Dort war er nicht gern gesehen, denn er war ein Eunuch. Über solche Menschen heißt es im Gesetz des Moses: „Wenn die Gemeinde des HERRN sich zum Gottesdienst versammelt, darf keiner dabei sein, der kastriert oder dessen Zeugungsglied abgeschnitten worden ist.“
Hier sehen wir einen Menschen mit einer tiefen Sehnsucht nach Gott, der sich nun auf dem Rückweg in seine Heimat befindet und in der Schrift liest – auf einem rumpelnden Wagen. Auf diesen Mann trifft Philippus. Und zwar an einer entlegenen, einsamen Stelle, an die es Philippus vermutlich niemals gezogen hätte, wenn er zuvor nicht den Auftrag des Heiligen Geistes bekommen hätte, genau dorthin zu gehen. Philippus gehörte, wie wir in der Apostelgeschichte erfahren, zu einer Gruppe von Diakonen in der Urgemeinde.
Er redete von Jesus – gerne und oft – und war darin gesegnet, denn viele Menschen fanden durch ihn zum Glauben an Jesus.
Was qualifizierte Philippus dazu? Es fällt auf, dass uns nur wenige Worte aus dem Gespräch mit dem königlichen Hofbeamten überliefert sind. Das Entscheidende bei Philippus war seine Offenheit für das Wirken des Heiligen Geistes. Bevor Philippus mit dem königlichen Hofbeamten über seinen Glauben redete, war er selbst offen für das Reden Gottes in seinem Leben. Am Anfang heißt es: „Ein Engel des Herrn forderte Philippus auf: ‚Geh in Richtung Süden, und zwar auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt und nur selten genutzt wird.“ Und wenig später ist es dann der Heilige Geist, der zu Philippus redet: „Geh zu diesem Wagen und bleib in seiner Nähe.“
Zweimal hört Philippus Gott konkret zu sich reden. Durch den Heiligen Geist bekommt er einen konkreten Auftrag. Bevor Philippus redet, redet erst einmal Gott zu ihm. Und das ist eine große Auszeichnung, die Philippus damit erfährt: Du bist Gott sein Reden wert. Vielleicht war genau das auch ein Grund dafür, dass Philippus selbst so gerne von Jesus redete. Gottes Reden zu ihm hielt die Freude am Glauben in ihm lebendig. Und das will Gott bis heute: Auch zu uns reden. Durch sein Wort, die Bibel, und zwar so, dass aus Buchstaben eine lebendige Anrede wird und wir merken: Gott spricht mich an.
Durch seine Boten – seien es Menschen oder himmlische Boten, die er zu uns schickt – kann er uns Rat, Trost, Mahnung oder Herausforderung geben.
Auch durch den Heiligen Geist redet Gott zu uns.
Er gibt uns eine Erkenntnis.
Er gibt uns einen Auftrag.
Er schenkt uns einen klugen Gedanken.
Er beunruhigt unser Gewissen.
Er gibt uns Frieden und Freude.
Er tröstet uns.
Wir können es manchmal nicht erklären, woher es kommt. Aber wir wissen: Jetzt redet Gott durch seinen Heiligen Geist zu uns. Auch durch Lebensumstände redet Gott. Durch die Kleinsten und Unscheinbarsten, die sonst vielleicht kaum Beachtung finden, die Gott aber gerade zu uns sendet, damit durch sie sein Reden uns erreicht. Durch die Schöpfung in all ihrer Schönheit können wir uns ebenfalls von Gott angesprochen fühlen. Und schließlich redet Gott auch durch die Predigt zu uns.
Wenn du dich fragst: „Wie und was kann ich reden?“ Dann höre doch als Erstes wieder auf Gottes Reden zu dir. Halte dir Philippus vor Augen: Was konnte er tun, weil er auf Gott gehört hatte? Vielleicht liegt genau an dieser Stelle die Erneuerung unserer Freude. Auch wir sind Gott sein Reden zu uns wert. Auch zu uns möchte er reden. Auch bei uns wird er Wege suchen, um unser Gehör zu finden. Sein Reden zu uns wird nicht monoton sein. Er hat vielfältige Wege, um bis an unser Ohr und in unser Herz vorzudringen.
Vielleicht schickt er auch dir einen Boten oder spricht zu dir durch den Heiligen Geist. Vielleicht durch eine Person. Aber bitte: Lerne neu, auf sein Reden zu dir zu hören. Und dann entdecke hinter seinem Reden zu dir, dass auch du ihm wichtig bist. Dass er auch auf dich nicht verzichten möchte. Dass er deinen Dienst gebrauchen wird. Der lebendige Gott redet auch zu dir. Du bist Glied an seinem Leib. Du bist Mitarbeiter in seinem Dienst. Du bist Teil seines Planes zur Rettung von Menschen, damit sie nicht verloren gehen. Was für eine Ehre! Was für eine Auszeichnung, dass er auch zu dir und mir redet.
Darin liegt tatsächlich die Erneuerung unserer Freude an ihm. Wir sind Gott sein Reden zu uns wert. Und alles beginnt vielleicht mit dem ersten Mal, dass du Zeuge für Jesus bist und dein Gesprächspartner sehr schnell merkt, dass du es ernst meinst. Dass du im Glauben stehst. Und dann kann etwas geschehen, das ich selbst erlebt habe: Ich begann tatsächlich gerne, von meinem Glauben zu reden – von dem Glauben, über den ich mich so sehr freuen kann. Dazu passt auch das Wort aus Epheser 2,10: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott im Voraus bereitet hat, damit wir sie tun.“ Das durfte auch Petrus erleben. In Apostelgeschichte 10,44 heißt es: „Während Petrus noch redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten.“ Vers 45: „..., weil auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde.“ Und Vers 46: „Denn sie hörten, dass sie in Zungen redeten und Gott hochpriesen.“
Jesus sagt in Johannes 7,38–39: „Wer an mich glaubt, aus dessen Innersten werden Ströme lebendigen Wassers fließen, wie die Schrift sagt.“ Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Geist war noch nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war. Jetzt ist er verherrlicht!
Achte auf Gottes Reden zu dir. Ich bin mir sicher: Er hat dir viel zu sagen. Freue dich jedes Mal, wenn Gott zu dir redet und entdecke in dieser Freude neu die Schönheit deines Glaubens.
Helmut Germann
09.08.2026