Missionsgemeinde Heppenheim

Der Ernst der Nachfolge Jesu

Als sie auf dem Wege waren, sagte einer zu ihm: „Ich will dir folgen, wohin du gehst.“ Da sagte Jesus zu ihm: „Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nirgends eine Stelle, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ Und er sagte zu einem anderen: „Folge mir nach!“

Der aber antwortete: „Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.“ Aber Jesus sagte zu ihm: „Lass die Toten ihre Toten begraben; geh du aber hin und verkündige das Reich Gottes!“ Und ein anderer sagte: „Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich von denen Abschied nehme, die zu meinem Haus gehören.“ Jesus aber sagte zu ihm: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geeignet für das Reich Gottes.“ (Lukas 9, 57-62 vgl. Matthäus 8, 19-22)

Nachfolge bedeutet, Jesus nachzufolgen. In dem Abschnitt, den wir gelesen haben, sehen wir Hindernisse in der Nachfolge, Hindernisse für einen echten Glauben. Was sagt Jesus in Vers 62? „Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, der ist nicht geeignet für das Reich Gottes.“ Ein halber Christ ist ein ganzer Unsinn. Oder: Christ sein heißt, ganz Christ zu sein – sonst lass es sein.

Paulus sagt, dass wir Glieder an seinem Leib sind. Deshalb spricht er davon, in Christus zu sein. Es ist ein Unterschied, ob man an Jesus glaubt oder ob man Jesus nachfolgt. Man kann an Jesus glauben und dennoch an allem hängen, was man hat. Ganz anders ist es bei denen, für die es gilt, nicht mehr in die Vergangenheit zurückzuschauen. Gott zeigt sich darin, dass wir bei unserer irdischen Arbeit und in allem, was wir brauchen, von ihm versorgt werden, sodass uns Opfer kein Opfer mehr ist. Es ist Freude, und unser Herz strömt über vor Dankbarkeit.

So viele Gläubige klagen, dass es ihnen in dieser Welt gar nicht mehr gefällt. Aber ein wirklicher Nachfolger Jesu verbreitet sein Licht, inneren Frieden und strahlende Freude – auch dann, wenn er durch Bedrängnisse gehen muss. Nun begegnet Jesus auf seiner Reise nach Jerusalem drei Männern. Dabei erkennen wir: Jesus führt nur ein kurzes Gespräch mit ihnen, aber er kommt sofort auf den wesentlichen Punkt.

Das soll auch uns ansprechen. Welche Antworten oder welche Ausreden haben wir?

Das erste Hindernis: falsche Sicherheit

Bei der ersten Antwort sehen wir falsche Sicherheit. Der Mann hatte die Predigt und die Worte Jesu gehört, und das hatte ihn beeindruckt. Es genügt nicht, nur zu sagen: „Ich habe vor, dir zu folgen.“ Was haben wir in Vers 58 gelesen? „Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nirgends eine Stelle, wo er sein Haupt hinlegen kann.“

Manche nehmen in ihrer Begeisterung den Mund recht voll. Doch wenn es darauf ankommt, dann entfällt ihnen der Mut. Das musste auch Petrus bei der Kreuzigung Jesu erleben. Jesus weist den Mann nicht gleich ab, aber er sagt ihm klar und ehrlich, was Nachfolge bedeutet. Auch wir wissen, was es kosten kann, wenn wir uns auf ihn, auf Jesus, einlassen. Er macht den Mann darauf aufmerksam: Wenn du mit mir gehst, können deine bisherigen Sicherheiten weg sein. Es kann sein, dass deine leiblichen Angehörigen, deine Familie, mit dir nichts mehr zu tun haben wollen. Das haben manche von uns auch erlebt.

Das erleben auch insbesondere Muslime, die sich zu Jesus bekennen. Wenn man sich zu Jesus bekennt, wird man zunehmend ausgegrenzt. In anderen Ländern gibt es Verfolgung, Folter und Tod.

Denn wer Jesus vor den Menschen bekennt, den wird Jesus vor seinem Vater bekennen. Wer ihn nicht bekennt, den wird Jesus auch nicht vor dem Vater bekennen. Für diesen Mann und auch für uns gilt, was Jesus in Matthäus 6,33 sagt: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“

Das zweite Hindernis: familiäre Bindungen

Das zweite Hindernis sind familiäre Bindungen. Hier ergreift Jesus die Initiative: „Folge mir nach!“ Der Mann spricht zu Jesus: „Ich will erst meinen Vater begraben.“ Ihr wisst, was der Mann damit zu Jesus gesagt hat: Ich will so lange warten, bis mein Vater gestorben ist, und dann will ich dir nachfolgen. Ich möchte keinen Konflikt mit meinem Vater haben. Ich möchte es mir mit meinem Glauben leichter machen. Hier erkennen wir das Lieblingsmöbelstück des Teufels: Die lange Bank (alles immer auf die lange Bank zu schieben).

Für uns gilt, was wir in 1. Petrus 2,9 lesen:

„Ihr seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, Gottes eigenes Volk; deshalb sollt ihr die großen Taten dessen verkündigen, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat.“ Es geht um die grundsätzliche Bereitschaft, unserem Herrn zu folgen. Das Reich Gottes hat die höchste Priorität.

Was ist jetzt dran? Dazu lesen wir Lukas 10,38–42: Als sie weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Sie hatte eine Schwester, die hieß Maria. Die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber hatte alle Hände voll zu tun, um zu dienen. Und sie trat heran und sagte: „Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester allein dienen lässt? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!“ Der Herr aber antwortete ihr: „Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist nötig. Maria hat das Bessere gewählt; das soll ihr nicht genommen werden.“ Maria hatte erkannt, was jetzt dran war. Jetzt war es dran, seiner Rede zuzuhören. Wir können Gutes und Wichtiges tun, und dennoch kann es falsch sein. Es ist besser, den Herrn zu fragen: Was ist jetzt dran?

Das dritte Hindernis: zurückschauen

Das dritte Hindernis heißt: zurückschauen. Der Mann will zwar Jesus nachfolgen, aber wie er das macht, das möchte er selbst bestimmen. Er möchte sich zuerst zu Hause verabschieden. Dazu gibt es auch eine bekannte Bibelstelle in 1. Könige 19,19–20: Und Elia ging von dort weg und fand Elisa, den Sohn Schafats, als er pflügte mit zwölf Jochen vor sich her, und er war selbst beim zwölften. Und Elia ging zu ihm und warf seinen Mantel über ihn. Und er verließ die Rinder und lief Elia nach und sprach: „Lass mich meinen Vater und meine Mutter küssen, dann will ich dir nachfolgen.“

Er sprach zu ihm: „Wohlan, kehre um! Bedenke, was ich dir getan habe.“ Elisa hat sich verabschiedet. Jesus gibt dem Mann die Antwort aus Vers 62: „Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, der ist nicht geeignet für das Reich Gottes.“ Im Urtext heißt es: Wer die Hand auf den Pflug legt. So war es damals üblich: Die eine Hand lag auf dem Pflug, und in der anderen Hand hielt man einen Treibstab. Damit trieb man das Rind oder den Esel – oder beide – an. Der Pflüger durfte nicht zurückschauen, denn sonst hätte er krumme Furchen gezogen.

Jesus bemängelt das Zurückschauen. Und es gibt viel, worauf wir zurückschauen könnten: Konflikte, ungelöste Probleme, Schuld, die wir uns selbst nicht vergeben lassen oder Schuld, die wir anderen nicht vergeben wollen. Seelische Wunden, die wir nicht heilen lassen wollen.

Jesus nachzufolgen bedeutet gemäß diesen drei Begegnungen, sich fest an Jesus zu binden und daraus die Kraft zu nehmen, manches zurückzulassen und aufzubrechen. Es gilt nach vorne zu schauen – auch im geistlichen Leben. Wenn wir uns auf alten Erfolgen ausruhen wollen, dann ist das falsch. Wenn wir jedem erzählen, was wir früher alles konnten, aber heute nichts mehr – auch geistlich –, dann stimmt etwas nicht. Wenn wir alte Erfahrungen ständig wiederholen und keine neuen Erfahrungen machen, dann stimmt etwas nicht im Glaubensleben.

Bei manchen Christen hört es sich an, wenn sie von ihrem alten Leben vor der Bekehrung erzählen, als wären sie traurig darüber, dass sie dies und das nicht mehr machen können, anstatt dankbar zu sein, dass dies alles jetzt hinter ihnen liegt und sie mit Jesus neue Schritte und neue Wege gehen. Wer frisches Quellwasser hat, der braucht kein abgestandenes Zisternenwasser.

Lukas spricht in diesen drei Begegnungen etwas an, was wir auch in 1. Mose 12,1 lesen: „Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.“ Abram bekam den Auftrag, Bindungen aufzugeben, damit Gott ihn führen konnte. Denn er befand sich in keiner guten Gemeinschaft, weder in der Familie noch in seinen Freundschaften. Auch uns soll das etwas sagen, wenn die Familie wichtiger ist als die Geschwister im Glauben.

Was hat Jesus gesagt, als ihm mitgeteilt wurde: „Draußen steht deine Familie“? Jesus antwortete: Wer ist meine Familie? Diejenigen, die den Willen meines Vaters tun, das ist meine Familie. Jesus nachzufolgen bedeutet, sein ganzes Leben auf Jesus auszurichten, seine Lehren ernst zu nehmen und wie ein Jünger in seiner Gemeinschaft zu leben.

In Lukas 9,23–27 sprach Jesus zu ihnen:

„Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme Tag für Tag sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's erhalten. Denn was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dabei sich selbst verliert oder zugrunde richtet? Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und in der des Vaters und der heiligen Engel. Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie das Reich Gottes sehen.“

Helmut Germann
23.08.2026