Missionsgemeinde Heppenheim

Furcht des Herrn - Weisheit - Ewigkeit

Bereits in 5. Mose 17, ab Vers 14, sagte Gott voraus, dass das Volk Israel eines Tages einen König erwählen würde. Für diesen König gab Gott genaue Anweisungen, die zeigen, wie wichtig es ist, in der Furcht des Herrn zu leben und seinem Wort gehorsam zu sein. In 5. Mose 17,16–20 lesen wir, dass der König nicht viele Pferde halten, nicht viele Frauen nehmen und nicht viel Silber und Gold sammeln sollte. Gott warnte ihn davor,

dass sein Herz abgewandt werden könnte. Stattdessen sollte er sich eine Abschrift des Gesetzes anfertigen lassen und sein Leben lang darin lesen.

Warum? Damit er lernte, den Herrn, seinen Gott, zu fürchten, die Worte des Gesetzes zu halten und danach zu handeln. Er sollte sein Herz nicht über seine Brüder erheben und weder nach rechts noch nach links von Gottes Geboten abweichen. Gott wollte, dass der König sich nicht auf seine Macht, seinen Reichtum oder seine eigene Erkenntnis verließ, sondern sein Leben nach Gottes Wort ausrichtete.

Historisch betrachtet folgten aufeinander die Könige Saul, David und Salomo, die jeweils ungefähr 40 Jahre regierten. Die überlieferten Jahreszahlen nennen Saul ab 1051 v. Chr., David ab 1011 v. Chr. und Salomo ab 971 bis 931 v. Chr. Die Abfassung des 5. Buches Mose wird in der vorliegenden Chronologie auf 1407–1406 v. Chr. datiert. Die entscheidende Frage ist jedoch nicht allein, wann diese Ereignisse stattfanden, sondern was wir daraus für unser eigenes Leben lernen können.

Sprüche 1,7 sagt: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis. Die Ruchlosen verachten Weisheit und Zucht.“ Die Furcht des Herrn bildet die Grundlage für ein Leben in Weisheit. Es geht darum, Gott ernst zu nehmen, sein Wort zu achten und sich von ihm leiten zu lassen.

Gott schenkt Weisheit, wenn wir ihn darum bitten

Was aber sollen wir tun, wenn uns Weisheit und Erkenntnis fehlen? In Jakobus 1,5–6 lesen wir: „So aber jemand unter euch Weisheit mangelt, der bitte Gott, der da gibt einfältig und rückt’s niemand auf, so wird sie ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer da zweifelt, der ist wie die Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird.“

Gott fordert uns auf, ihn um Weisheit zu bitten. Wir müssen nicht so tun, als wüssten wir bereits alles. Vielmehr dürfen wir uns vertrauensvoll an ihn wenden und ihn um Erkenntnis und Führung bitten. Dabei sollen wir im Glauben beten und nicht zweifeln. Das Wort „Weisheit“ wird in der vorliegenden Zählung 194-mal in der Bibel erwähnt, davon 59-mal im Buch Prediger und 25-mal im Buch der Sprüche. Diese Zahlen verdeutlichen die Bedeutung dieses Themas in der Heiligen Schrift.

Salomo – ein König, der um Weisheit bat

Ein eindrückliches Beispiel finden wir im Leben Salomos. In 2. Chronik 1,6–12 lesen wir, dass Salomo auf dem ehernen Altar vor dem Herrn tausend Brandopfer darbrachte. In derselben Nacht erschien ihm Gott und sprach: „Bitte, was soll ich dir geben?“ Salomo erinnerte sich an Gottes Barmherzigkeit gegenüber seinem Vater David und daran, dass Gott ihn an Davids Stelle zum König gemacht hatte. Er bat Gott um Weisheit und Erkenntnis, damit er das große Volk Israel recht führen und richten konnte. Diese Bitte gefiel Gott. Salomo hatte nicht um Reichtum, Besitz, Ehre, den Tod seiner Feinde oder ein langes Leben gebeten. Er wollte Weisheit und Erkenntnis, um Gottes Volk gerecht regieren zu können. Deshalb gab Gott ihm Weisheit und Erkenntnis und versprach ihm darüber hinaus Reichtum, Besitz und Ehre.

Salomo erhielt, worum er gebeten hatte. Wir erinnern uns auch an seinen bekannten Richterspruch zwischen den beiden Frauen, die beide Anspruch auf dasselbe Kind erhoben. Diese Begebenheit finden wir in 1. Könige 3,16 ff. Doch trotz all seiner Weisheit und seines Reichtums stellt sich eine ernste Frage: Hatte Salomo das Gesetz des Herrn vergessen?

All die Weisheit und Erkenntnis, der Reichtum und die Güter, die er besaß, halfen ihm letztendlich nicht, als er weit von seinem Gehorsam gegenüber Gott abwich. Heute würde man sagen: Er hat die Welt liebgewonnen und sich von Gott entfernt. Daraus lernen wir, dass selbst große Weisheit, viel Erkenntnis und äußerer Wohlstand uns nicht davor bewahren, uns von Gott zu entfernen. Entscheidend ist, dass wir ihm treu bleiben und in seinem Wort verwurzelt sind.

Lot und seine Frau – wenn das alte Leben uns zurückzieht

Auch die Geschichte von Lot und seiner Familie zeigt uns, wie wichtig es ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen und sich nicht wieder von dem zurückziehen zu lassen, wovon Gott uns wegführt. In 1. Mose 13 und 14 lesen wir, dass Lot sich von Abram trennte und die fruchtbare Gegend um Sodom wählte, die dem Land Ägypten glich. Später kam es zu einem Krieg zwischen Königen. Abram befreite Lot und die Gefangenen. In 1. Mose 19 erfahren wir von der Vernichtung Sodoms. Lot und seine Familie wurden gewarnt. Sie sollten fliehen und nicht zurückschauen. Doch Lots Frau blickte zurück und wurde zu einer Salzsäule.

Hatte sie vergessen, was Gott für sie getan hatte? Es war sicherlich nicht allein die Neugier, die sie dazu bewog, zurückzuschauen. Möglicherweise hing ihr Herz auch noch an dem alten Leben, das sie nicht loslassen wollte. Diese Begebenheit führt uns vor Augen, wie wichtig es ist, nicht an dem festzuhalten, was uns von Gott wegführt. Wenn Gott uns einen neuen Weg zeigt, sollen wir ihm vertrauen und gehorsam sein.

Gott hat seinem Volk immer wieder gezeigt, dass Umkehr und die Hinwendung zu ihm entscheidend sind. In 2. Chronik 7,13–14 lesen wir: „Siehe, wenn ich den Himmel zuschließe, dass es nicht regnet, oder heiße die Heuschrecken das Land fressen oder lasse eine Pestilenz unter mein Volk kommen, und mein Volk, das nach meinem Namen genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren werden: So will ich vom Himmel hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen.“

Diese Worte machen deutlich, wie wichtig Demut, Gebet, die Suche nach Gottes Angesicht und die Abkehr von bösen Wegen sind. Daher sollen wir erkennen, wie wichtig es ist, auf Gottes Wegen zu gehen, die persönliche Beziehung zu ihm zu pflegen und seinem Wort gehorsam zu sein. Gott hat sich über alle Zeiten hinweg nicht verändert. Sein Wort zeigt uns, wie wir leben sollen und wie wir in einer lebendigen Beziehung zu ihm bleiben können.

Erinnern wir uns an das Gute, das Gott für uns getan hat?

Wir sehen Gott nicht körperlich. Dennoch gibt es Situationen in unserem Leben, in denen wir erkennen können, welche Gnade er uns erwiesen hat. Erinnern wir uns an das Gute, das Gott für uns getan hat? Wie oft hat er uns bewahrt, uns durch schwierige Zeiten geführt oder uns neue Wege gezeigt? Wenn wir zurückblicken, können wir erkennen, wie viel Gnade wir bereits erfahren haben. Es ist wichtig, diese Erfahrungen nicht zu vergessen. Sie können uns helfen, Gott auch in gegenwärtigen Schwierigkeiten zu vertrauen und ihm treu zu bleiben. Die Erinnerung an Gottes Wirken soll uns nicht von ihm entfernen, sondern unsere Beziehung zu ihm stärken.

In 1. Korinther 13,8–10 lesen wir: „Die Liebe hört niemals auf, wo doch die Weissagungen aufhören werden und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.“ Diese Worte erinnern uns daran, dass unser Wissen begrenzt ist. Wir erkennen vieles nur teilweise und verstehen nicht immer, warum Gott bestimmte Dinge zulässt oder auf welche Weise er seine Pläne erfüllt.

Mit dem Kommen des Vollkommenen ist in diesem Zusammenhang das Kommen des Herrn gemeint. Dann werden wir alles erkennen, so, wie Gott es gemeint hat. Bis dahin sind wir aufgerufen, im Glauben zu leben, Gott zu vertrauen und unsere Beziehung zu ihm zu pflegen. Deshalb gilt es für uns, uns selbst zu prüfen: Haben wir eine persönliche Beziehung zu unserem Herrn? Suchen wir seine Nähe? Sind wir bereit, nach seinem Wort zu leben und uns von ihm korrigieren zu lassen? Es ist gut für uns, sein Angesicht zu suchen.

 „Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne: dass ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu betrachten.“ Psalm 27,4

Ursula Herzog-Germann
25.10.2026